Fortschritt

Fortschritt

Im Regen, Tropfen der sonst hell-blühenden Stadt, doch an einem Hochsommertag in tiefes Grau getaucht, spielten in kindischem Unwissen zwei Kinder in einer der tausend Gassen. Es plätscherte fröhlich unter ihren kleinen Füßen, und die seichten Falten in den rostigen Wannen gruben sich tiefer mit jedem neuen Tropfen auf der neuen Jacke, welche die Mutter am Abend mit verzweifelt tadelndem Blick betrachten sollte. Ihr Kichern trieb wie der wohl-duftende Dampf eines frisch gebackenen Kuchens durch das Aderwerk der Stadt, ließ an manchen Stellen die so oft vom Wetter verschuldete allgemeine Trostlosigkeit dahinschmelzen.

Das Jahr verfärbte sich, verlor das satte Grün und trudelte in tausend gelb und roten Blättern dem Winter entgegen. Das flutende Blau war verblichen, und die Sonne trieb schwächelnde Strahlen, welche wie eisige Nebelschwaden auf die rostigen Dächer trafen, durch das allmächtige Gewölk. Mit durchnässter Kleidung trabten sie emsig, Robin mit den weichen Gesichtszügen, blauen Augen und einem verlegen grinsenden Mund. Der Regen hatte sein sonst unbändiges, kornblondes Haar flach auf den Kopf gedrückt, den bei Sonnenschein aufglänzenden Haarspitzeb den Schein genommen, doch schon schüttelte er sich, die Tropfen herausjagend. Lachend sprang Pavel ein paar Schritte zurück, strich sich das zwar triefende, doch trotzdem sauber gescheitelte Haar mit seinen filigranen Fingern sanft aus der Stirn. Seine Wangenknochen zeichneten sich stärker von der Haut ab und verliehen ihm etwas härtere Züge. Sein Schritt war fest, seine Lippen meist schmal. Doch wie an jenem Tag, der Himmel, so schien es, seine Trauer über die abertausenden Dachrinnen der Stadt ergoß, traten aus seiner Kehle die herzhaften Laute einer unbeschwerten Freude. So zogen sie dahin, auf in fremde Welten, welche nur in der Freiheit ihrer noch so unberührten Geister voll von Fantasie und Vernunft trotzender Naivität blühten. Heute ein Ritter und morgen ein Pirat, sich auf unendlichen Meeren Schatz um Schatz unter den Nagel reißend.

Doch am Ende ihrer kleinen Gasse fluteten zwei riesige Scheinwerfer ihr Sichtfeld. Das Kreischen der Reifen war ohrenbetäubend, und in verzweifeltem Schreien liefen die beiden umher, ohne Ziel, ohne möglichen Ausgang. Laut knallte es durch die Straßen. Blut tropfte sanft auf den schwarzen Schotter, auf den weißen Wagen. Die Augen kein einziges Mal auf die Straße vor ihm gerichtet, war die dunkle Fratze ohne Blick zurück wieder verschwunden. Das einzige genervte Gemurmel war dem Herabfallen seines Handys verschuldet.

Still weinte der Himmel.