#LiteraturHoch3
Drei Bücher. Drei Länder. Drei Kritiker:innen.

De LiteraTour2023 mat engem Avant-goût

#LiteraturHoch3
Drei Bücher. Drei Länder. Drei Kritiker:innen.

Literaturkritiker Jérôme Jaminet (RTL BicherLies) trifft seine Kolleg:innen Denis Scheck (ARD Druckfrisch) und Brigitte Schwens-Harrant (Die Furche) zum leidenschaftlichen Streitgespräch über drei Buchneuerscheinungen aus Deutschland, Österreich und Luxemburg.

Jérôme Jaminet empfiehlt
Bernd Marcel Gonners Gedichtband « Großes Rasenstück » (KILLROY media)

Der Autor: Bernd Marcel Gonner (*1966), Luxemburger von Vaterseite, Böhme von Mutterseite, studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte sowie Deutsch als Fremdsprache in Bamberg. Er arbeitet als freier Schriftsteller (Lyrik, Prosa, Theater, Kinderliteratur und Nature Writing) und Landschaftspfleger auf eigenem kleinen Hof. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien sowie eigenständige Publikationen. Für seine Arbeiten wurde er bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2020 mit dem Gustav-Regler-Förderpreis des Saarländischen Rundfunks und 2021 mit dem Deutschen Preis für Nature Writing.

Das Buch: Drei Trips. Drei Trails. Drei Faerie-Tales.
Die Hungerkinder, vielgeliebt, auf ihrer Reise… Einer namens John Muir unternimmt 1867 einen 1000-Meilen-Fußmarsch quer durch die USA, um schließlich vor einem Quadratmeter Gras und Moos zu knien und sich in das Geheimnis der Schöpfung zu versenken, ein anderer, Namenloser, kriecht im Hier und Jetzt über einen heimischen Trockenrasen und begegnet dabei dem stärksten Leben im Kärgsten, ein dritter endlich begibt sich auf eine lange künftige, fast kosmische Reise jenseits des Zeitalters des Menschengeschlechts, um aus Eis und Feuer Millionen von Jahren alte Sporen zu neuem Keimen zu bringen. Wie hat es einst einer der – nennen wir ihn: Propheten verhießen? Es sind noch Lieder zu singen jenseits der Menschen.

 

Denis Scheck empfiehlt
Julia Schochs Roman « Das Liebespaar des Jahrhunderts » (dtv)

Die Autorin: Julia Schoch, 1974 in Bad Saarow geboren, aufgewachsen in der DDR-Garnisionsstadt Eggesin in Mecklenburg, gilt als »Virtuosin des Erinnerungserzählens« (FAZ) und bekam für ihre von der Kritik hochgelobten Romane und Erzählungen schon viele Preise. Zuletzt erschien ihr Roman ›Das Vorkommnis. Biographie einer Frau‹. Für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk wurde ihr 2022 die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung verliehen. Sie lebt in Potsdam.

Das Buch: Eine Frau will ihren Mann verlassen. Nach vielen Jahren Zusammenleben und Ehe ist sie entschlossen und bestürzt zugleich: Wie konnte es nur dazu kommen? Während sie ihr Fortgehen plant, begibt sie sich in ihren Gedanken weit zurück. Da waren die rauschhaften Jahre der Verliebtheit, an der Universität, zu zweit im Ausland und später mit den kleinen Kindern, aber da gab es auch die Kehrseite – Momente, die zu Wendepunkten wurden und das Scheitern schon vorausahnen ließen. Doch ist etwas überhaupt gescheitert, wenn es so lange dauert? Julia Schoch, literarische Archäologin ihres Lebens, legt frei, was im Alltag eines Paares oft verborgen ist: die Liebesmuster, die Schönheit auch in der Ernüchterung. Ein Loblied auf die Liebe.

 

Brigitte Schwens-Harrant empfiehlt
Karin Peschkas Roman « Dschomba » (Otto Müller Verlag)

Die Autorin: Karin Peschka, geboren 1967, aufgewachsen in Eferding, Oberösterreich, als Wirtstochter. Besuchte die Sozialakademie Linz und lebt seit 2000 in Wien. Arbeitete u. a. mit alkoholkranken Menschen und mit arbeitslosen Jugendlichen, aber auch mehrere Jahre im Bereich Onlineredaktion und Projektorganisation. Karin Peschka publizierte in diversen Anthologien und schrieb Kolumnen für oe1.ORF.at. 2008 erschien in der Edition Neuhauser Kunstmühle ihr Kunstbuch „Sterntaler“ (mit Michael Hedwig). Ihr Debütroman „Watschenmann“ wurde 2019 für die Bühne adaptiert und im Wiener Volkstheater aufgeführt. Ihre Werke wurden vielfach ausgezeichnet.

Das Buch: Ein halbnackter Fremder tanzt zwischen den Gräbern des Eferdinger Pfarrfriedhofs. Es ist November 1954, ein nasskalter Tag, und Dragan Džomba ist auf der Suche. Vor dem Friedhofstor stehen die Bürger – aufgebracht, misstrauisch, neugierig. Nur der Dechant nähert sich dem Serben und gibt ihm schließlich Quartier im Pfarrhof. Dragan spricht nicht viel, immer wieder zieht es ihn hinaus zum Lagerfriedhof nahe der Donau. Dort, wo es kaum Spuren der Vergangenheit gibt, sucht Dragan aber genau diese. Er bezieht die Hütte auf dem „Serbenfriedhof“, schließt Freundschaften, erlebt Anfeindung und Argwohn. Jahre später, alt geworden, sitzt er im Gasthof Zum roten Krebs am Stammtisch. Dem Fremden bleibt das Fremde haften, das Seltsame. Ab und zu stellt ihm die zehnjährige Wirtstochter ein Bier hin. Sie ist in ihren Tagträumen daheim und fühlt eine Verbindung zu dem Mann, der nach Wald und Erde duftet, der vor ihr da war und weiß, welche Geschichte sich unter den Feldern verbirgt. Mit „Dschomba“ schreibt sich Karin Peschka das Wissen um die Vergangenheit jenes Ortes, in dem sie aufgewachsen ist, in die eigene Biografie. Sie erzählt vom Leben in einer kleinen Stadt, von Begegnungen, von Lebenswegen und -wendungen, und ein wenig davon, wie es ist, als Wirtstochter aufzuwachsen.

Foto JJ (©️ Bertelsmann, Nader Ghavami)
Foto DS (©️ Ptolusque, Wikimedia Commons) Foto BSH (©️ Tsui, Manfred Werner)

Eintritt frei
Barrierefreier Zugang

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Pas de réservation nécessaire

Eintritt frei

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